Vortrag: Liebe & Kapital

Referentin: Bini Adamczak

Ware und Liebe sind Beziehungen, Beziehungsweisen, die zudem in inniger Beziehung zueinander stehen. In beiden maskiert sich eine gesellschaftliche Beziehung von öffentlichem Interesse als bloßes Privatverhältnis, als zweigliedriger Austausch von Dingen und Geld, von Obszönitäten und Zärtlichkeiten – oder beidem zugleich. Als Austausch, jedenfalls, von Arbeit – Waren produzierender oder Arbeitskraft reproduzierender Arbeit; Lohnarbeit oder Liebesarbeit. In beiden Beziehungsweisen manifestiert sich eine erstaunliche Symbiose von Singularität und Universalität, privatester Privatheit und öffentlichster Öffentlichkeit. Die Ware beansprucht – trotz aller Serialität – als gebrauchswertiger Körper immer ein konkretes Bedürfnis zu befriedigen und trägt zugleich einen Preis, als Zeichen ihrer allgemeinen Austauschbarkeit.
Die Liebe, ganz ähnlich, behauptet, jedes Mal unverwechselbar und einzigartig zu sein und dudelt doch täglich unentrinnbar in Radio, TV wie Kino. Zu lieben (romantisch) soll ebenso Merkmal einer allgemeinen Anthropologie sein wie zu tauschen (äquivalent) oder zu kNacken (ahaha :D) (individuell). Gerade in der Vereinzelung soll die Allgemeinheit bestehen. Doch der private Handel verbirgt die öffentliche Aushandlung.

Über die Refentin:

bini adamczak ist das unstete bündnis zänkischer gespenster (bspw. dekonstruktivistischer feminismen und orthodoxer wertkritik), unerwünschter erbschaften und nächtlicher reproduktionsläufe. in manischen momenten tourt die autorin von »kommunismus. kleine geschichte wie endlich alles anders wird« (2004) und »gestern morgen. über die einsamkeit kommunistischer gespenster und die rekonstruktion der zukunft« (2007) mit dem performancekollektiv andcompany&co (little red play (herstory) 2006, timerepublic 2007) im roten timeshuttle durch wenigstens europa.
(von unrast-verlag.de)

Impressum

Copyright © 2018. All Rights Reserved.