Vortrag: Liebe & Kapital

Ware und Liebe sind Beziehungen, Beziehungsweisen, die zudem in
inniger Beziehung zueinander stehen. In beiden maskiert sich eine
gesellschaftliche Beziehung von öffentlichem Interesse als bloßes
Privatverhältnis, als zweigliedriger Austausch von Dingen und Geld, von
Obszönitäten und Zärtlichkeiten – oder beidem zugleich. Als Austausch,
jedenfalls, von Arbeit – Waren produzierender oder Arbeitskraft
reproduzierender Arbeit; Lohnarbeit oder Liebesarbeit. In beiden
Beziehungsweisen manifestiert sich eine erstaunliche Symbiose von
Singularität und Universalität, privatester Privatheit und
öffentlichster Öffentlichkeit. Die Ware beansprucht – trotz aller
Serialität – als gebrauchswertiger Körper immer ein konkretes Bedürfnis
zu befriedigen und trägt zugleich einen Preis, als Zeichen ihrer
allgemeinen Austauschbarkeit. Die Liebe, ganz ähnlich, behauptet, jedes
Mal unverwechselbar und einzigartig zu sein und dudelt doch täglich
unentrinnbar in Radio, TV wie Kino. Zu lieben (romantisch) soll ebenso
Merkmal einer allgemeinen Anthropologie sein wie zu tauschen
(äquivalent) oder zu kNacken (ahaha :D ) (individuell). Gerade in der
Vereinzelung soll die Allgemeinheit bestehen. Doch der private Handel
verbirgt die öffentliche Aushandlung.

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