Vortrag: Gleichberechtigter Heterosex* vor dem Hintergrund hierarchischer Geschlechterverhältnisse

Gleichberechtigter Heterosex* in hierarchischen Geschlechterverhältnissen? Barrieren und Chancen von heterosexuellem* Konsens (Madeline Doneit)


Führende Sexualwissenschaftler_innen sprechen gerne von einer – im Zuge der sexuellen Revolution und Neuen Frauenbewegung – erreichten sexuellen Gleichstellung von Männern* und Frauen*. Heterosexualität* ist ihnen zufolge heute bestimmt durch eine Orientierung an »wechselseitiger Lust« und »geschlechtsegalitärer Aushandlung«. Keine Frage: Die sexuellen Handlungsmöglichkeiten junger Frauen* haben sich im Vergleich zu früheren Generationen deutlich erweitert. Ist es allerdings wirklich schon an der Zeit, die Frage nach geschlechtlichen Machtverhältnissen in der Sexualität fallen zu lassen?

In meinem Vortrag  möchte ich aufzeigen, dass die Norm der Heterosexualität* aus (queer-)feministischer Perspektive – zusätzlich zur Kritik an der mit ihr einhergehenden Abwertung von nicht-heterosexuellen* Sexpraktiken und Lebensweisen –noch immer als stabilisierend für hierarchische Geschlechterverhältnisse allgemein und für tendenziell hierarchisch verteilte Handlungsmöglichkeiten in konkreten sexuellen Begegnungen zwischen Männern* und Frauen* kritisiert werden muss.

Um diese Fragen soll es genau gehen: Wie nimmt die »Heteronorm« Einfluss auf unsere Sexualität -darauf, wie wir Sex verstehen, wie wir unserer Lust und Unlust begegnen, was wir fühlen, was für uns vorstellbar ist beim Sex zu tun und was eben auch nicht? Welche unterschiedlichen Normen und Erwartungen werden hier gesellschaftlich an Männer* und Frauen*, Jungen* und Mädchen* herangetragen? Was ist vermeintlich »richtige« männliche* und weibliche* Sexualität?

Meine These ist, dass gegenwärtige Normen und Ideale von Heterosexualität* auch heute noch die Aushandlung von einvernehmlichem und wechselseitig lustvollem Sex zwischen Frauen* und Männern* erschweren. Erfahrungen von Machthierarchien und Fremdbestimmtheit in der Sexualitätdürfen nicht als »private«, »selbstverschuldete« Probleme leise gemacht werden – Barrieren von (hetero*)sexuellem Konsens sind vielmehr im Konzept der Heterosexualität* angelegt.

Ich freue mich darauf, mit euch die Barrieren von heterosexuellem* Konsens zu diskutieren – wie auch mögliche Chancen und Wege, diese zu überwinden (z.B. mithilfe des »Yes means Yes«-Konzepts)!

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